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Kapitel 4
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Shizuka lief mit einem Mal schneller.
„Was ist los?“, fragte Naoto erschrocken.
„Wir nähern uns Irontown!“, sagte Kaya fröhlich. Dieses Stück Wald kannte sie inn- und auswendig.
Naoto lächelte nur, auch wenn sie es nicht sehen konnte.
Tatsächlich – eine knappe halbe Stunde später erreichten sie eine Anhöhe und von dort konnten sie hinunter auf den Fluss sehen... und auf Irontown.
Kaya grinste breit.
„Aber Kaya...“
„Was ist?“
„Es ist schon Nacht... Das Tor ist doch sicher zu, oder?“
„Ja, aber das schaffen wir schon“, sagte Kaya selbstsicher. Naoto zuckte mit den Schultern.
Bald darauf befanden sie sich auf dem Weg an der Felswand, die zu Irontown führte.
Das Tor war tatsächlich bereits geschlossen. Kaya stieg ab, Naoto tat es ihr gleich. Sie drückte ihm die Zügel in die Hand und beugte sich dann näher an den Boden. Kurz darauf richtete sie sich mit einem mittelgroßen Stein in der Hand wieder auf. Dann ging sie einige Schritte zurück, holte aus und schleuderte den Stein hinauf zum Wachturm. Wie sie beabsichtigt hatte, streifte er die Metallplatte und es gab ein lautes Knallen. Der schlafende Wachmann schreckte augenblicklich hoch und blickte angestrengt hinunter.
„Wer...“ Doch dann erkannte er sie und seine Augen weiteten sich. Dann rief er etwas hinunter.
„Das Tor wird euch gleich geöffnet!“, rief er Kaya zu.
„Danke!“, rief Kaya zurück.
Sie warteten einige Minuten, dann geriet das große Holztor langsam in Bewegung. Als es weit genug geöffnet war, betraten Kaya und Naoto die Stadt und das Tor wurde langsam wieder geschlossen.
Kaum waren die beiden drinnen, stürmte Toki auf sie zu und umarmte Kaya stürmisch. „Mein Gott, Kaya! Wir haben uns solche Sorgen gemacht, was machst du bloß für Sachen!“
Als sie wieder von ihr abließ, sah Kaya in ihren Augen, dass etwas nicht stimmte. „Was ist los, Toki?“, fragte sie und ihr Blick zeigte eindeutig, dass sie sich mit Ausflüchten nicht abspeisen lassen würde.
Toki sah ihr wehmütig ins Gesicht.
„Deine Eltern, sie...“ Sie hielt inne.
„Was? Was ist mit meinen Eltern, Toki?“
„Nun, sie...“ Doch weiter kam sie nicht. Denn hinter ihr rief jemand: „Kaya?“
Kaya sah an Toki vorbei auf Megumi, die sie ungläubig ansah. Sie kam auf sie zu. Kaya erschrak. Megumi hatte Tränen in den Augen.
Nun sah sie sich um. Alle schienen bedrückt.
„Was... was ist passiert?“, fragte sie vorsichtig.
„Vor ein paar Tagen kamen Reiter. Viele Reiter. Aus Kyoto.“ Megumi sprach abgehackt und abgestrengt.
Kaya schielte automatisch zu Naoto neben ihr. Er erbleichte. Auch ihr war mit einem Mal äußerst mulmig zumute.
Megumi atmete tief und gebrochen ein. Man merkte, dass sie sich wirklich zusammenreißen musste, um nicht in Tränen auszubrechen. Sie öffnete den Mund. „Sie wollten... Sie brauchten Leute für den Krieg...“
Kaya sah Naoto aus den Augenwinkeln zusammenzucken.
„...und... und sie haben...“ Weiter kam sie nicht. Mit einem Mal schoss ihr Wasser in die Augen und sie begann laut zu schluchzen. Die Leute sahen sie betroffen an.
Toki nahm Megumi in den Arm. Sie wollte gerade etwas sagen und sah zu Kaya – doch Kaya stand nicht mehr da.
Sie sah sich um und sah Kaya die Straße entlang laufen.
Shizuka wurde unruhig und riss an ihren Zügeln herum. Naoto erschrak und hielt die Zügel nicht mehr richtig fest, was dem Steinbock eine Gelegenheit gab, sich loszureißen und ihrer Herrin zu folgen.
Kaya erreichte das Haus ihrer Eltern, sprang auf den niedrigen Holzvorsprung und schlug den Vorhang beiseite.
Der Mond spendete nur wenig Licht, aber sie sah auch so, dass das Haus leer war. Auf dem Tisch standen zwei leere Reisschalen. Sie ging zur Leiter, doch da hörte sie hinter sich Tokis Stimme. „Sie sind nicht da, Kaya.“
Sie wirbelte herum. „Aber was ist passiert?“, fragte sie heiser.
„Die Männer aus Kyoto... Sie machten deutlich, dass sie nicht gehen würden, bevor sich ihnen alle jungen Männer der Stadt angeschlossen hatten. Sie brauchten Männer für ihren Krieg, weitere Truppen...“ Megumi tauchte neben ihr auf. Ihr Gesicht trug einen fahlen Ausdruck. Toki sah sie kurz sorgenvoll an, dann sprach sie weiter: „Wir wollten einen Kampf oder Schlimmeres verhindern, also versammelten sich alle am Tor. Sie suchten sich die Männer aus, die sie... „brauchen konnten“, wie der Anführer sagte.“ Toki sah Kaya direkt an. Kaya schluckte.
„Dein Vater war auch dabei, Kaya. San hatten sie natürlich gar nicht erst in Betracht gezogen, schließlich ist sie eine Frau.“ – Toki verzog missbilligend das Gesicht – „Aber sie trat vor und verlangte, dass man sie auch mitnahm. Ashitaka versuchte, sie davon abzubringen, aber sie ließ es sich nicht ausreden. Als sie mit Worten nichts mehr bezwecken konnten, versuchten die Männer sie mit Gewalt abzuweisen, sie stießen sie weg und warfen sogar Steine nach ihr, aber sie wollte nicht nachgeben. Sie sagte...“ Toki hielt inne.
„Was sagte sie?“, hakte Kaya nach.
„Sie sagte, sie wolle ihren Mann nicht auch noch verlieren.“
„Verlieren? Dachten sie etwa...“ Kaya blieben vor Entsetzen die Worte weg. Ihre Eltern hatten gedacht, sie sei tot. Und nun waren sie beide in den Krieg gezogen und vielleicht würde sie sie nie wieder sehen.
Toki nickte schwermütig. „Sie haben so viele mitgenommen“, sagte sie kopfschüttelnd. Megumi schluchzte auf. Sie schüttelte heftig den Kopf. „Wie können Menschen nur so grausam sein?“, flüsterte sie. „Dass sie Daisuke mitgenommen haben, ist ja schon mehr als schlimm genug, aber das Kind...“ Sie gab ein lautes, verzweifeltes Schluchzen von sich.
Kaya riss erschrocken die Augen auf. „Sie haben Takashi mitgenommen?!“, rief sie viel zu laut.
Megumi nickte mit tränenüberströmten Gesicht und ließ es zu, dass Toki sie tröstend in den Arm nahm.
Kaya schüttelte den Kopf.
„Entschuldigung?“, kam eine Stimme von vor der Tür. Kaya sah, wie Toki sich umwandte.
„Ich möchte nicht indiskret klingen, aber... könntet Ihr mir vielleicht sagen, welche Farben die Männer aus Kyoto trugen?“, hörte Kaya Naoto fragen. Sie kam ebenfalls zur Tür. Naoto hielt wieder Shizukas Zügel, als sei das eine Selbstverständlichkeit. Das brachte sie zum Lächeln.
„Sie trugen keine Farben... sie hatten lediglich eine nicht sehr große Fahne bei sich... ich knn mich weder an Muster noch an alle Farben erinnern, aber eine relativ große Fläche war rot, wenn mich nicht alles täuscht...“, antwortete Toki zögerlich.
Naotos Augen weiteten sich. Er sah zu Tode erschrocken aus. „Rot? Ja, aber dann...“ Er sah zwischen den drei Frauen hin und her. „Dann kämpfen unsere Dörfer auf verschiedenen Seiten!“
„Zu Euch sind sie auch gekommen?“, fragte Megumi und klang mitleidig. Sie hatte sich wieder einigermaßen gefasst.
Naoto nickte halbherzig. Er war offensichtlich in Gedanken. Kaya sprang hinunter auf die Straße und nahm ihm die Zügel aus der Hand.
„Ich bringe Shizuka zum Stall“, sagte sie. Dann giing sie. Naoto folgte ihr beinahe unbewusst.
Sie liefen schweigend nebeneinander her.
Dann fragte Naoto leise: „Was wirst du nun unternehmen?“
Ihr Kopf schoss herum. Sie funkelte ihn an. „Was soll das heißen?“
„Es war eine einfache Frage. Keine Anspielung oder Schlimmeres“, klärte sie Naoto auf und hielt ihrem Blick stand.
Kaya sah wieder weg. Sie war verärgert über ihre blankliegenden Nerven. Einen Moment lang sagte sie nichts. Dann presste sie irgendetwas Unverständliches zwischen den Zähnen durch.
„Was hast du gesagt?“
„Ich sagte, ich folge ihnen.“
Naoto seufzte. „Das habe ich befürchtet. Hast du dir das auch wirklich gut überlegt?“
„Ich kann doch meine Eltern und meinen besten Freund nicht einfach so im Stich lassen!“
„Und du meinst, du kannst ihnen helfen, indem du dich selbst in Gefahr bringst?“
„Wenigstens muss ich dann nicht tatenlos abwarten!“, fauchte Kaya ihn an. „Ich habe dich nicht nach deiner Meinung gefragt! Ich breche morgen früh auf, dann hole ich die Truppe vielleicht noch ein, der Weg bis Kyoto ist weit.“
Naoto blieb kurz still, dann sagte er leise: „Ich komme mit dir.“
„Das musst du nicht. Wenn...“
„Ich möchte aber!“
Kaya blieb verwundert stehen. „Ich dachte, du findest Krieg schrecklich? Naoto, du hast hier die Gelegenheit, ein neues Leben zu beginnen, du musst mich nicht begleiten, ich schaffe das auch alleine.“
Naoto zeigte ein schiefes Grinsen. „Tut mir Leid, wenn du das noch nicht gemerkt hast, aber du bist hier nicht die einizige mit einem Dickkopf. Ich komme mit.“
„Schön!“, fauchte Kaya, drehte sich um und stolzierte weiter zu den Ställen.
Naoto folgte ihr.
„Warum kommst du mir dauernd hinterher?“
„Du bist hier die einzige, die ich kenne. Und außerdem muss ich doch aufpassen, dass du nicht einfach ohne mich abhaust“, setzte er grinsend hinzu.
Kaya grinste ihn ironisch an. „Da ich sowieso vorhabe, es meinen Freunden und Bekannten mitzuteilen, brauchst du dir da keine Sorgen zu machen, dass ich Irontown vor der Zeit verlasse.“
Als sie den Stall verließen, stürzte eine kleine Gestalt auf sie zu.
„Kaya!“, krähte Rei schon von weitem, offensichtlich hocherfreut.
Kaya ging in die Hocke und kurz darauf fiel ihr die Kleine um den Hals. „Gut, dass du wieder da bist! Takashi haben sie mitgenommen.“ Zuerst sah sie betrübt aus, dann wechselte ihr Ausdruck zu Wut. „Dieser Feigling hat sich nicht einmal gewehrt!“ Kaya musste trotz allen Sorgen lächeln. Genau wie die Mutter.
Reis Gesicht hatte sich gerade wieder normalisiert, da fiel ihr Blick auf Naoto, der inzwischen auch in die Hocke gegangen war. Sie stemmte die kleinen Ärmchen in die Hüfte, richtete sich auf und fragte missbilligend: „Und was ist das nun schon wieder für ein Nichtsnutz?“
„Rei! Jetzt reicht es aber langsam!“
Toki kam wütend auf sie zugestapft. „Wirst du wohl aufhören! Was soll denn das, fremde Leute aus dem Nichts heraus beschimpfen!“
„Machst du doch selber!“, versetzte Rei trotzig und verschränkte die Arme.
„Vorsicht!“, mahnte Toki lautstark und hob drohend eine Hand.
Sofort schossen Reis Arme in die Luft. „Na gut, es tut mir Leid!“, rief sie beinahe flehend. Toki ließ ihre Hand kopfschüttelnd wieder sinken. Dann wandte sie sich an Naoto. „Es tut mir Leid. Das macht sie ständig...“ Sie ignorierte Kayas höhnisches Gesicht.
„Ach, das macht doch nichts“, wehrte Naoto ab und lächelte. „Wo sie Recht hat, hat sie Recht.“
Toki lachte. „Wenn du meinst. Du musst es schließlich am besten wissen.“ Sie grinste noch einmal, dann nahm sie Rei hoch und ging mir ihr davon.
„Äh... Toki, warte mal!“, rief Kaya ihr hinterher. Dann rannte sie auf sie zu.
„Ich wollte dir nur sagen, dass Naoto und ich morgen aufbrechen werden, um den Reitern aus Kyoto zu folgen. Ich möchte meine Eltern und Takashi und all die anderen nicht einfach so dem Tod überlassen.“
Toki nickte ernst. „Mama, lass mich runter!“, quengelte Rei. Toki setzte sie ab. „Gut, wenn das deine Entscheidung ist. Abhalten können wir dich nicht, oder?“
Kaya schüttelte heftig den Kopf. „Nein.“
Toki nickte wieder. „Das dachte ich mir...“
„Sag mal... Kohroku haben sie nicht mitgenommen, oder?“
„Nein, er ist ihnen zu alt. Deshalb ist auch etwa die Hälfte der Männer noch hier. Na ja, wahrscheinlich wäre er so oder so hier geblieben. Was soll man mit diesem Feigling schon im Krieg anfangen? Er würde ja nur im Weg stehen, dieser Trampel.“
Kaya konnte sich ein Lachen gerade so verkneifen.
„Manche hat es wirklich schwer getroffen. Megumi ist ja noch ziemlich beherrscht, du solltest Akemi sehen. Als es hieß, dass sie Hayato auch mitnehmen wollen, hätte sie beinahe einen Herzstillstand erlitten.“
Kaya nickte. Das konnte sie sich bei Akemi gut vorstellen.
„Wirst du es auch noch anderen sagen?“, fragte Toki.
„Ja... Megumi wahrscheinlich... ansonsten denke ich, dass sich das bald sowieso verbreitet hat.“ Sie lächelte Toki an. Die lachte. „Ja, da magst du Recht haben.“

Etwas später stand Kaya in der Mitte des Wohnraumes. In ihrer Hand hielt sie ein blitzendes Schwert. Sie hatte eigentlich noch nie damit gekämpft. Kendo hatte sie gelernt... von Iaido verstand sie weniger und sie hatte auch nicht die nötige Erfahrung, um eine herausragende Kämpferin zu sein. Trotzdem... vielleicht konnte sie auf diese Weise beweisen, dass sie auch in der Lage war, eine gute Kämpferin zu sein... vielleicht sogar so gut wie ihr Vater. Bei dem Gedanken an ihren Vater verspannte sich ihr ganzer Körper.
„He, keine Wut! Du musst dich konzentrieren!“, kam eine Stimme von der Tür.
Kaya wirbelte herum. Naoto stand im Türrahmen und sah sie an.
„Was verstehst du denn schon vom Kämpfen?“, schnauzte sie ihn an.
„Oh, theoretisch ganz schön viel, will ich meinen“, sagte er grinsend. Er kam auf sie zu. „Bleib weg! Ich lass mir von dir keine Anweisungen geben, du weißt ja nicht mal, wie man ein Schwert in der Hand hält!“, fauchte Kaya und richtete das Schwert in seine Richtung.
„Doch, weiß ich“, sagte Naoto ernst, aber er blieb stehen.
„Ach, ja? Dann zeig es mir!“
„Gerne. Wenn du das Ding mal runternehmen würdest.“
Kaya ließ das Schwert wieder sinken.
Naoto kam zu ihr und griff nach dem Schwert. Kaya starrte verwundert auf seine Hände. Sie schmiegten sich um den Griff, als hätten sie das schon hundertmal gemacht. Er musste auch nicht irgendwie umgreifen, vom ersten Moment an schien das Schwert perfekt in seinen Händen zu liegen.
Kaya starrte ihn an.
Er grinste schief. „Na, was hab ich gesagt?“
„Na ja, nur weil du es halten kannst, heißt das noch lange nicht, dass du auch kämpfen kannst“, sagte Kaya trocken und verschränkte die Arme vor der Brust.
„Stimmt, da magst du Recht haben. Aber ich sagte ja bereits, dass ich den Schwertkampf nur rein theoretisch beherrsche.“
Eine kurze Stille folgte, dann sagte Naoto leise: „Du vertraust mir...“
„Was?“, fragte Kaya und verzog skeptisch die Augenbrauen.
„Du musst ein ziemlich großes Vertrauen zu mir haben... sonst hättest du mir das Schwert nicht überlassen...“
„Wovon redest du da?“
Naotos Augen blitzten. „Also hast du nicht einmal daran gedacht? Dir ist es nicht einmal in den Sinn gekommen, dass ich...“ Er drehte sich zu ihr um und richtete das Schwert gegen sie „...dein eigenes Schwert gegen dich richten könnte?“
„Es ist nicht mein Schwert“, sagte Kaya trocken und sah ihm fest in die Augen, obwohl alles in ihr danach verlangte, einen Blick auf das Schwert zu werfen.
Naoto grinste. „Es würde sogar Sinn machen. Wenn du in den Krieg ziehst, kämpfst du gegen meine Leute. Weshalb also damit zögern, sie eines Gegners zu entledigen?“
Kaya konnte nicht verhindern, dass ihr ein kalter Schauer den Rücken hinunter lief.
„Und daran wärest du selbst schuld. Weil du mir so leichtfertig eine tödliche Waffe überlassen hast“, flüsterte Naoto. Er schien in Gedanken versunken zu sein. Dann ließ er langsam das Schwert sinken. Wieder grinste er. „Was für ein Glück, dass du mir vertrauen kannst, nicht wahr?“
„Findest du das lustig?“, fragte Kaya und wurde ärgerlich, als sie feststellte, wie heiser sie war.
„Mh, gute Frage... finde ich das lustig? Au!“ Naoto steckte seinen Finger in den Mund. „Mann, ist das spitz!“
„Man fasst es ja auch am Griff an und nicht an der Spitze“, sagte Kaya mit eiskaltem Sarkasmus in der Stimme.
„Bist du sauer auf mich?“, fragte Naoto schmunzelnd.
„Falls du es genau wissen willst, ich bin stinkwütend!“, schrie ihn Kaya an.
Naoto wirkte belustigt. „Hast du allen Ernstes gedacht, ich würde dich versuchen umzubringen? Wo du zehnmal besser kämpfen kannst als ich und dein Kurzschwert an deinem Gürtel hängt?“
Kaya ballte die Fäuste. Dieser Idiot war einfach unglaublich.
„Mach sowas NIE WIEDER, hast du verstanden?!“, brüllte sie, völlig aus der Fassung.
„Woh, hey, reg dich nicht so auf, es war doch nur Spaß!“, sagte Naoto, zu Tode erschrocken.
„Es war aber nicht lustig!“, schrie Kaya. „Du hast mir den Schrecken meines Lebens eingejagt! Meinst du vielleicht, ich sei besonders scharf darauf, dir aus Notwehr ein Schwert in den Leib zu rammen?!“
Naoto senkte den Kopf. „Es tut mir Leid... Manchmal geht es einfach so mit mir durch, weißt du? Ich...“
„Ach, halt doch einfach den Mund! Deine blöden Entschuldigungen kannst du dir wirklich sparen!“ Die Falten in Kayas Gesicht waren noch immer nicht verschwunden.
„Was ist denn hier los?“ Megumi stand auf einmal in der Türöffnung.
„Nichts. Nichts ist los. Naoto macht nur erste Erfahrungen mit einem Schwert“, sagte Kaya ahstig.
„Aha...“, murmelte Megumi. Man sah, dass sie etwas ganz anderes dachte. Wahrscheinlich dachte sie genau das richtige, so wie immer.
„Ihr wollt aufbrechen?“, fragte sie.
„Ja. Woher weißt du das?“
„Toki hat es mir gesagt“, zwinkerte Megumi, „Nicht mal ich kann immer alles erschließen.“ Dann zog sie den Vorhang wieder vor den Durchgang und man hörte, wie sich ihre Schritte entfernten.
Kaya kam auf Naoto zu und riss ihm das Schwert aus der Hand. Dann steckte sie es weg und hängte es wieder an die Wand. Sie würde bei ihrem Kurzschwert bleiben.
Nachdem das erledigt war, stieg sie die Leiter hinauf zum Dachboden.
„Was machst du?“, fragte Naoto.
Was war denn das für eine dumme Frage?
„Ich gehe schlafen. Zumindest werde ich versuchen, das zu tun. Du solltest dich auch noch ein wenig hinlegen.“
„Gerne. Und wo?“
„Komm mit“, seufzte Kaya.
Also kam er mit. Nach einem kurzen Moment der Überlegung wies Kaya ihm ihr eigenes Bett zu und legte sich dann selbst ins Bett ihrer Eltern.
Sie hatten nur wenige Stunden geschlafen, als Kaya Naoto wachrüttelte. Die Sonne war noch nicht einmal sichtbar.
Naoto erhob sich mit einem Stöhnen.
„Du musst nicht mit, wie gesagt“, murmelte Kaya.
„Doch, doch“, sagte Naoto und gähnte.
Dann bereiteten sie sich auf die Reise vor.
Die Sonne war noch immer nicht aufgegangen, als sie auf die Straße traten.
Sie gingen zum Stall. Kaya holte Shizuka heraus, dann überlegte sie, welches Tier sie Naoto überlassen sollte. Vielleicht wäre ein Pferd am besten gewesen, aber wenn sie die Gruppe erreicht hatten, würden sie die Tiere wieder nach Hause schicken und sie war sich bei den Pferden nicht wirklich sicher, ob sie auf sie hören würden.
„Nehmt Shitu.“
Kaya wandte sich um. Megumi stand in der Nähe und sah sie an. „Sie ist Shizukas Mutter und obwohl Shizuka schon ohne sie auskommt, bin ich mir sicher, dass sie ihr folgen wird, wenn Shitu nach Irontown zurückläuft und andersherum wird es genauso sein. Natürlich könntet ihr auch Jakkul nehmen... aber er ist deinem Vater mehr als nur treu ergeben, vielleicht würde er nicht mehr gehen wollen.“
Kaya nickte. „Ja, das ist keine schlechte Überlegung. Danke, dass du uns Shitu überlässt.“
Megumi winkte ab. „Das ist doch selbstverständlich, Kaya.“
Also holte Kaya auch noch Shitu aus dem Stall. Dann verabscheidete sie sich kurz und herzlich von Jakkul, kurz darauf machten sie sich auf den Weg zum Tor, wo sie fast die gesamte Bevölkerungt Irontowns erwartete, um ihnen gute Wünsche und anderes in der Art mit auf den Weg zu geben.
Herrin Eboshi trat vor und sagte: „Passt gut auf euch auf, Kaya. Es tut mir wirklich Leid, dass ich dieses Unheil nicht länger abhalten konnte.“
„Es war nicht Eure Schuld. Schuld an dem ganzen haben die ignoranten Herrschaften von ganz oben, denen in ihrer endlosen Freizeit keine bessere Beschäftigung haben, als arme Bauern gegeneinander aufzuhetzen“, sagte Kaya zerknirscht.
Wenig später entfernte sich Irontown immer weiter.
„Weißt du überhaupt den Weg nach Kyoto?“, fragte Naoto unsicher.
„Ich habe schon einige Male eine Karte gesehen. Nebenbei kann ich Spuren lesen und habe einen belesenen Menschen an meiner Seite“, war die Antwort.
Naoto strahlte.
„Warum bist du mitgekommen? Du wirst wahrscheinlich gegen deine eigenen Leute kämpfen müssen und nebenbei bist du kein Kämpfer, weder seelisch noch körperlich, wie mir scheint. Noch ist Zeit, umzukehren. Wegen mir musst du nicht mitkommen. Ich schaffe das auch allein.“
Naotos Gesicht zeigte Entschlossenheit. „Ich kehre nicht um. Ich habe mich entschlossen, mit dir zu kommen und nun werde ich das auch durchziehen.“
Kaya erwiderte nichts. Sie fragte sich langsam ernsthaft, was diesen offensichtlich eigentlich nicht sehr tapferen Mann dazu veranlasste, ihr nicht mehr von der Seite zu weichen.




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