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Kapitel 7
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„Sail away – It´s time to leave
Rainy days are yours to keep
Fade away
Twilight’s calling my name
You will stay – I´ll sail away

No reason to lie, no need to pretend
I’m grateful to die
to live once again
I’m fearless to fly
and reach for the end
And reach for the end...“

The Rasmus – Sail Away

Doch es sollte nicht ganz so einfach werden.
Sie erwachten am nächsten Morgen unter Schreien draußen im Lager.
Die Hosokawa waren scheinbar eingefallen. Kaya verdrehte die Augen. Das hätten sich diese Idioten doch denken können!
Sofort waren sie alle auf den Beinen.
„Wir müssen irgendwie aus dem Lager heraus kommen. Jeder für sich. Wir treffen uns wie vereinbart am weißen Felsen“, sagte Ashitaka. Er war ein wenig blass.
Kaya musste unwillkürlich an Naoto und Takashi denken.
In kleinen Gruppen verließen sie das Zelt.
Draußen zerstreuten sie sich dann.
Kaya kam erstaunlich gut durch. Scheinbar waren die Hosokawa vorerst darauf bedacht, die Befehlshaber loszuwerden oder etwas in der Art.
Als sie am weißen Felsen ankam, strahlte sie. Takashi und Naoto standen dort bereits, Naoto sah sich immer wieder mit besorgtem Geischt um, Takashis Gesicht hatte eine leichte Grünfärbung.
Kaya rannte zu ihnen.
„Kaya! Gott sei Dank, ich dachte schon, ihr wäret ohne Takashi los!“
Takashi sah Naoto skeptisch an. Dieser Kerl war wirklich seltsam.
„Nein, ich wäre nicht ohne euch gegangen“, sagte Kaya. Sie hockte sich zu Takshi hinunter.
„Wie geht’s dir?“, fragte sie und konnte nicht verhindern, dass sie ein wenig besorgt klang.
„Es geht. Mir ist nur so wahnsinnig schlecht und dieser ewige Geruch nach Angst und Tod macht es nicht gerade besser.“
Bald kamen immer mehr Leute an.
Kaum hatte Daisuke seinen Sohn erkannt, stürzte er freudig auf ihn zu und schloss ihn in seine Arme.
Takashis Gesichtsfarbe wechselte zu einem leichten Rosa. „Papa...“, murmelte er verlegen. Aber dann ließ er es. Er war auch wahnsinnig froh, ihn wieder zu sehen. Bald waren fast alle da.
Auf fünf warteten sie vergeblich. In den Augen einiger sammelten sich Tränen. Aber sie blieben noch und warteten. „Wir lassen niemanden zurück“, hatte Ashitaka mehr zu sich selbst gesagt, aber sofort hatten alle ihm zugestimmt.
Und tatsächlich kam einer der fünf dann doch noch.
Nachdem sie ziemlich lange da gestanden hatten, beschlossen sie dann doch, loszugehen. Inzwischen war der Kampf wieder in vollem Gange, die Yamana schlugen zurück. Sie begannen also zu laufen.
Bald war jeder nur noch darauf bedacht, selbst zum Wald zu kommen.
Takashis Wunde zog gewaltig. Aber er konnte laufen und ihm war bewusst, dass er musste.
Es war anstrengender zum Wald zu kommen, als sie gedacht hatten.
Doch dann befanden sie sich alle keuchend und schnaufend im Schutz der Bäume, die der Kampf nicht im Geringsten zu kümmern schien.
Nun wurden sie sich der anderen wieder immer mehr bewusst. Und da...
Takashi sah sich immer hektischer um. Er richtete sich auf die Zehenspitzen und sah über die ganzen Köpfe hinweg.
Kaya bemerkte sein seltsames Verhalten. „Takashi?“
Takashi reagierte nicht einmal.
Und dann drehte er sich auf einmal um und rannte wieder aus dem Wald hinaus.
„Takashi!“, rief Kaya.
Ihr Blick glitt zufällig zu Naoto hinüber und sie war überrascht von dem, was sie sah. Naoto sah wütend aus. Wütend und irgendwie ein kleines Bisschen besorgt.
„Ist er denn verrückt, die Wunde wird wieder aufreißen! Was macht der?!“, rief er und lief hinter Takashi her.
Takashi rannte und rannte. Seine Wunde schmerzte so gewaltig, dass ihm Tränen in die Augen stiegen. Sie fühlte sich an, als würde fortwährend etwas an ihr reißen.
Aber das war ihm egal. Es wurde niemand zurück gelassen. Das hatte Ashitaka gesagt. Und er würde seinen Vater nicht hier lassen, er konnte nicht. Eben war er doch noch da gewesen. Er musste ihn finden.

Daisuke war recht weit hinten gelaufen. Er hatte den Pfeil erst bemerkt, als er ihn zu Boden zwang.
Mit einem Stöhnen sank er ins Gras. Ihm war wahnsinnig schwindlig, er konnte nicht aufstehen.
Die Wunde brannte. Er hätte besser aufpassen sollen. Verdammt.
Er lag eine Weile so da, den Pfeil im Rücken.
Da sah er eine Gestalt aus dem Wald kommen. Er erkannte nur verschwommen, wie sie stehen blieb, sich umsah, offensichtlich erschrak und dann auf ihn zugerannt kam. Bevor er den Menschen erkannte, hörte er: „Papa!“
„Takashi... Geh wieder in den Wald...“
Er spürte, wie an seinem Arm gezogen wurde.
„Du musst... aufstehen!“
Daisuke blinzelte einige Male, um besser sehen zu können. Als er auf die Knie kam, konnte er wieder besser sehen. Trotzdem spürte er den Schmerz in seinem Rücken genauso stark wie vorher.
„Komm, wir müssen wieder in den Wald. Die anderen warten da.“
Daisuke hörte Schritte.
Da kam ein weiterer Mensch auf sie zu gelaufen. Und da hinten noch einer. Den hinteren erkannte Daisuke an der Statur und an der Art, wie er lief; das war Kaya.
Der andere... der andere war diese junge Mann, der Kaya begleitet hatte.
Die beiden hatten sie fast erreicht, da hörte Daisuke ein weiteres Geräusch. Aus den Augenwinkeln sah er einen Pfeil, der auf Takashi zuraste.
Ohne lange zu überlegen, packte er Takashi und stieß ihn weg, worauf dieser überrascht aufschrie.
Entsetzt sah Takashi zu seinem Vater hinauf. Ein Pfeil steckte in seiner Brust und ein weiterer in seinem Rücken. Es sah aus, als hätte jemand eine Stange durch ihn hindurch gerammt.
Er hörte, wie ganz in seiner Nähe ein Pfeil gezogen wurde und als er um sich blickte, sah er, wie Kaya mit grimmiger Miene einen Pfeil anlegte und kurz darauf die Sehne flattern ließ.
Ein Bogenschütze nahe dem Lager der Yamana stürzte zu Boden.
Daisuke sank langsam in sich zusammen.
Naoto kam gerade noch rechtzeitig an, um ihn aufzufangen.
Takashi rappelte sich auf. „Papa!“
Daisukes Hemd war blutdurchtränkt. Naoto starrte die Wunde ernst an.
„Takashi“, sagte er, „Zieh den Pfeil aus seinem Rücken.“
„Und der in seiner Brust?“ Takashi merkte, wie seine Stimme zitterte.
„Um den kümmere ich mich gleich. Wir müssen ihn erst zum Wald bringen, hier sind wir ungeschützt.“
Also zog Takashi den Pfeil aus dem Rücken seines Vaters. Blut lief ihm über die Hände. „Kaya, hilf uns!“, rief Naoto, als er Daisuke unter den Armen fasste.
Kaya kam angelaufen und griff sich eines von Daisukes Beinen, genauso wie Takashi. So schafften sie es, Takashis Vater in den Wald zu transportieren.
Sofort kamen die anderen angelaufen.
Ashitaka erschrak, als er sie sah. Schnell war er bei ihnen.
„Was ist passiert?“, fragte er.
„Da hatte es ein Bogenschütze auf uns abgesehen“, sagte Daisuke mit einem schwachen Grinsen.
Ashitaka lächelte gequält.
Naoto besah sich die Wunde gerade, da spürte er einen Blick auf sich ruhen. Er sah auf und sah direkt in Takashis schwarze Augen.
„Du... du kannst ihm doch helfen, oder?“, fragte dieser heiser.
„Ich werde es versuchen...“
Er legte Daisuke eine Hand auf die Brust, packte den Pfeil und zog ihn vorsichtig aus der Wunde.
Daisuke stöhnte auf und kniff die Augen zu.
Man sah, wie Takashi hinter seinen Lippen die Zähne zusammenbiss.
„Der Pfeil hat das Herz nicht getroffen... Die Lunge scheint... auch so weit in Ordnung zu sein...“, murmelte Naoto mit einem Blick auf Daisukes Gesicht. Aus seinem Mund lief kein Blut. Schon kein schlechtes Zeichen.
Naoto schluckte. „Gut... mal sehen... ich brauche Wasser... gibt es hier irgendwo Wasser?“
„Ich habe da hinten irgendwo einen Bach gesehen, als wir ankamen“, sagte Kaya sofort.
„Gut. Dann geh mit Takashi da hin und füll etwas hier rein.“ Naoto reichte ihr eine Flasche. Er hatte heimlich die eine oder andere im Lager mitgehen lassen. „Und beeilt euch.“
Als die beiden weg waren, begann er, Daisuke das Hemd auszuziehen.
Die meisten der Menschen saßen um sie herum und sahen gespannt zu. Neben Daisuke saßen Ashitaka und San.
„Du hast... Takashi auch geheilt, oder?“, fragte Daisuke im Flüsterton.
Naoto nickte ernst. „Ja. Nicht sprechen.“
„Danke.“
Naoto sah ihn kurz an und lächelte. Daisuke lächelte zurück.
Kurz darauf kamen Takashi und Kaya mit dem Wasser. Naoto begann sofort, die Wunde auszuwaschen. Dann holte er eine weitere Flasche aus dem Beutel, den er schon immer bei sich trug, und zog den Korken heraus.
Er goss etwas davon auf ein einigermaßen sauberes Tuch und tupfte vorsichtig an Daisukes Wunde herum.
Wieder stöhnte Daisuke auf.
Takashi erkannte den Alkohol am Geruch. Er schluckte. Aber er war erfüllt von einem unglaublich starken Gefühl der Hoffnung. Er hatte eine viel größere Wunde gehabt und Naoto hatte sie heilen können.
Doch dann geschah es. Während Naoto noch arbeitete, hustete Daisuke plötzlich und spuckte mit einem Mal Blut.
Takashi gab einen erschrockenen Laut von sich und begann unwillkürlich zu zittern. Er sah Naoto an. „Du hast doch gesagt, du könntest ihm helfen!“
Naoto sah nur entsetzt Daisuke an. Also war die Lunge doch verletzt. Was hatte er sich auch falsche Hoffnungen gemacht?
Ashitakas Gesicht verkrampfte sich. Seine Hände ballten sich zu Fäusten. San legte ihm eine Hand auf die Schulter.
Kaya starrte ebenfalls voller Entsetzen auf Daisuke hinab. Ihre Eltern hatten ihr erzählt, wie das Mädchen gestorben war, von dem sie ihren Namen hatte. Erst war Blut aus ihrem Mund geflossen gekommen und kurz darauf war sie gestorben.
Nur Takashi reagierte vollkommen anders. Er packte Naoto und rief: „Du hast doch gesagt, du kannst ihm helfen! Was machst du?! Du hast mir doch auch geholfen!“
„Takashi...“, murmelte Daisuke.
Sofort ließ Takashi von Naoto ab.
„Lass ihn... er kann nichts dafür...“
„Aber er hat mich auch geheilt! Er muss dir auch helfen können!“
Daisuke schüttelte vage den Kopf. „Ich spüre, wie die Kraft aus meinem Körper weicht...“
Takashi schüttelte sich. „Nein!“
Kaya presste ihre Lippen aufeinander.
„Weißt du... erinnerst du dich noch an die Geschichte, die dir deine Mutter früher immer erzählt hat? Dass jedes Lebewesen nach seinem Tod ein neues Leben geschenkt bekommt?“, fragte Daisuke.
Takashi nickte. Er zitterte und in seinen Augen schimmerten Tränen.
„Genau das wird auch mit mir passieren. Vielleicht werde ich morgen ein Vogel sein oder vielleicht auch ein Baum in unserem Wald...“
„Nein, nein, nein! Du bist kein Baum! Und du wirst auch keiner! Ich will das nicht!“, rief Takashi.
Ashitaka schloss die Augen. Es tat ihm weh, Takashi so reden zu hören.
„Papa... du schaffst das... du wirst wieder gesund... Naoto kriegt das hin... er hat mich auch geheilt... du bist kein Baum. Du musst bei mir bleiben.“
Daisuke lächelte müde, hob eine Hand und strich Takashi an der Wange entlang.
„Hör zu, Takashi... ich bin bei dir, immer. Verstehst du mich?“
Takashi nickte und griff nach der Hand seines Vaters. Sein Gesicht war verkniffen.
„Bleib da... bitte, Papa.“
Daisuke schloss die Augen. Als er sie wieder öffnete, sah er Ashitaka an und lächelte. „All die Jahre war es schön, dein Freund zu sein, Ashitaka. Lebe noch einmal so lang wie bisher und noch länger... ich werde euch alle nicht vergessen...“ Er sah kurz in die Runde. Sein Blick blieb an Takashi hängen. „Ich wünsche dir alles Gute, Takashi. Du bist der beste Sohn, den man sich wünschen kann...“
Takashi atmete brüchig ein.
„Sag... sag deiner Mutter... dass...“
Er atmete aus. Das letzte Mal. Es war, as hätte er seine Seele ausgeatmet.
Takashi atmete schwer. „Papa... was soll ich Mama sagen? Was?“ Er packte seinen Vater bei den Schultern. „Papa! Sag es mir! Wach auf! Sprich mit mir, sag mir, was ich ihr sagen soll! Papa!“
Kaya rieb sich schon die ganze Zeit immer wieder die Tränen aus den Augen.
„Papa... du bist kein Baum... bitte... Papa... sprich mit mir... Papa... Papa...“ Takashi rüttelte an ihm.
Ashitakas Kopf war gesenkt.
Takashis Stimme war hoch und schmerzdurchtränkt. Sie war kaum lauter als ein Flüstern. „Wach auf... wach doch bitte auf...“
„Takashi... es hat keinen Sinn, er hört dich nicht. Er wacht nicht mehr auf“, sagte Ashitaka tonlos.
Takashi sah ihn fassungslos an und schüttelte den Kopf. „Nein... er schläft nur... er, er kann nicht... er kann doch nicht einfach... weg sein...“ Er schluchzte auf. Er war doch eben noch da gewesen! Eben, vor ein paar Minuten, hatte er noch mit ihm gesprochen, er konnte doch nicht weg sein! Es konnte doch nicht sein, dass er nie mehr mit ihm reden konnte, nie mehr mit ihm streiten, ihn nie mehr umarmen und nie mehr mit ihm Witze machen konnte.
Doch. Es konnte sein. Und es war so. Und als Takashi das bewusst wurde, brach er über seinem Vater zusammen und begann haltlos zu schluchzen. „Papa... komm zurück... bitte komm zurück... Papa... Nein!“
Kaya presste sich eine Hand auf den Mund und versuchte krampfhaft, ihre Tränen zurückzuhalten. Doch irgendwann ging es nicht mehr. Irgendwann, nachdem sie ihren besten Freund ein paar Minuten so hatte da liegen sehen, am Ende mit aller Hoffnung, ohne jeden Funken Glück, verzweifelt... fiel sie auf die Knie und weinte mit ihm. Und der ganze Wald schien mit ihnen zu trauern oder doch zumindest diese kleine Versammlung von Menschen, die hier im Wald saß, während von dem Feld davor Schlachtrufe und Todesschreie herüber klangen. Die Klänge der Schlacht, die gerade ein weiteres Menschenleben gefordert hatte.
Auch Ashitaka weinte. Und San. Und doch zumindest die Hälfte der Männer aus Irontown, während die anderen schockiert dasaßen.
Naoto saß im weichen Moos, den Kopf gesenkt, und sah auf Takashi hinab, diesen Jungen, der ihm während des letzten Tages auf eine seltsame Art und Weise ans Herz gewachsen war. Und er fühlte großen Schmerz. Er hatte versagt. Er hatte es nicht geschafft, diesem Jungen die wohl wichtigeste Person in seinem Leben zu erhalten.
Takashi hatte sein Gesicht im Hals seines Vaters vergraben. „Komm zurück... komm zurück... bitte... bitte, Papa, komm zurück...“, schluchzte er immer wieder. Und er musste an seine Mutter in Irontown denken, die von all dem hier nichts wusste und insgeheim hoffte, dass sie beide, ihr Mann und ihr Sohn, heil zurückkamen. Und an all die, die wie er jemanden verloren hatten. Er musste an seinen Vater denken, wie er lachte, wie er ihn liebevoll bei etwas beobachtete, wie er verlegen in Gelächter ausbrach, wenn Takashi ihn mal wieder überführt hatte, wie er mit Takashis Mutter herumalberte, wie er ihm durch die Haare fuhr, wie er ihn tröstete und wie er sich voller Besorgnis bei jeder Kleinigkeit sofort um ihn kümmern wollte – es tat so unglaublich weh, das alles zu in seinem Kopf sehen.
Takashi umklammerte die Leiche seines Vaters, während seine Tränen den weichen Waldboden tränkten. Er schrie und schluchzte vor Schmerz. An seinen Händen klebte noch immer Daisukes Blut.
„Nein... Papa... komm zurück... du bist kein Baum... KOMM ZURÜCK!“

=&=

Am Abend saßen sie irgendwo im Bergland Kyotos. Neben ihnen floss plätschernd der kleine Bach, dem sie gefolgt waren.
Sie hatten Daisukes Leiche am Schlachtfeld zurück gelassen. Takashi hatten sie tragen müssen, um ihn vom Fleck zu bekommen.
Nun lag er zusammengekrümmt irgendwo in der Dunkelheit, so weit vom Feuer, dass man ihn nicht sehen konnte. Er lag da und starrte zu den anderen hinüber.
Er sah, wie Kaya aufstand. Sie sprach mit ihrem Vater, dann trat sie ins Dunkel. Und bald wurde Takashi bewusst, dass sie ihn suchte.
Als sie direkt vor ihm stand, zuckte seine Hand nach vorn und packte sie am Knöchel. „Takashi...“
Er antwortete nicht.
Sie kniete sich zu ihm hinunter. „Takashi, was machst du denn hier? Dir muss doch kalt sein!“ Sie flüsterte.
„Ist mir egal“, murmelte Takashi tonlos.
Kaya biss die Zähne zusammen und setzte sich neben ihn. „Takashi... du musst aus diesem Depressionsloch herauskommen.“
Er richtete sich ruckartig auf. Kaya schreckte zurück.
„Aja? Was würdest du denn tun, wenn dein Vater gerade vor deinen Augen gestorben wäre?“ Seine Unterlippe zitterte genauso wie seine Stimme.
Kaya blickte zu Boden.
Takashi sank wieder in sich zusammen. „Warum?“, flüsterte er. Kaya sah ihn erneut an. „Warum musste gerade er sterben? Warum?!“ Er schluchzte leise.
Kaya zog unwillkürlich ein mitleidiges Gesicht. Er tat ihr so schrecklich Leid.
„Takashi...“
„Nein! Ich will nichts hören! Hört auf mit diesem verständnisvollen Getue, ich kann es nicht mehr hören! Ihr seid nicht verständnisvoll, im Gegenteil, ihr versteht gar nichts!“
„Ach ja? Und du, was tust du? Das einzige, woran du im Moment denkst, bist du! Aber du bist nicht der einzige, der Verluste erlitten hat, Takashi! Also leg diese Selbstmitleids-Nummer endlich auf Eis und sei wieder du selbst! Das ist lächerlich!“
Damit stand sie auf und ging wieder hinüber zum Feuer.
Takashi war vollkommen überrumpelt. Wie konnte sie nur so etwas sagen?! Andererseits... hatte sie am Ende vielleicht Recht?
Aber er konnte doch nicht einfach seinen Vater als zweitrangig abtun. Nur, weil Kaya nicht damit klar kam.
Was sie jetzt gesagt hätte, schmerzte wie ein Messer, schon gar, weil sie nur allzu Recht gehabt hätte. „Zweitrangig? Das habe ich nie verlangt. Aber ich lebe noch, Takashi. Und dein Vater nicht.“




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