Startseite
  Archiv
  Kapitel 1
  Kapitel 2
  Kapitel 3
  Kapitel 4
  Kapitel 5
  Kapitel 6
  Kapitel 7
  Kapitel 8
  Kapitel 9
  Kapitel 10
  Kapitel 11
  Kapitel 12
  Gästebuch
  Kontakt
 


 
Links
   keMonono - Originalseite

http://myblog.de/fanfic2

Gratis bloggen bei
myblog.de





 

=&===&===&=
Kapitel 10
=&===&===&===&=

Etwas Nasses berührte ihre Wange. Kaya fuhr mit einem erschrockenen Laut hoch. Imari sprang mit einem Winseln zurück.
Kaya schüttelte den Kopf. Dann sah sie den kleinen Wolf an und lächelte entschuldigend. „Tut mir Leid, Imari.“
„Das macht nichts“, erwiderte die Kleine und kam schwanzwedelnd auf sie zu.
Kaya lächelte. „Wissen deine Eltern, dass du hier bist?“
„Ja“, sagte eine tiefe Stimme.
Kaya fuhr herum. Ni saß direkt hinter ihr und sah sie freundlich an.
„Hast du mich erschreckt...“
Ni lachte. „Das wollte ich nicht, entschuldige. Imari sagte, sie rieche, dass hier Angst existent war.“ Imari hatte eine erstaunlich feine Nase. Es war unglaublich, was sie alles auf welche Entfernung riechen konnte.
„Hattest du etwa vor irgendetwas Angst, Kaya?“ Ni legte den Kopf schief.
„Ja... ja, ich hatte... einen Alptraum“, murmelte Kaya.
„Der muss aber ziemlich schlimm gewesen sein“, bemerkte Imari.
„Ja, das war er“, seufzte Kaya und lächelte.

Sie begleitete die Wölfe mit zu ihrer Höhle und blieb noch kurz dort. Ihr letzter Besuch war schon eine Weile her.
Es wurde langsam dunkel, als Kaya den letzten Hügel überquerte. Dann eilte sie den Felsenweg entlang.
Auf dem Heimweg sah sie Takashi.
„Takashi!“ Sie hatte ein schlechtes Gewissen wegen heute Morgen.
„Takashi, ich wollte...“ Sie erschrak, als er sie ansah. „Mein Gott, wie siehst du denn aus... was hast du da an der Lippe... und überall Kratzer...“ Sie sah an ihm hinab. An den entblößten Teilen seiner rme und Beine sah sie massenweise blaue Flecken.
Sie sah ihn erwartungsvoll an. „Was hast du gemacht?“
„Ich, ähm, na ja... ich hatte einen kleinen Streit...“ Er sah sie hoffnungsvoll an. Hoffentlich ließ sie sich damit abspeisen.
„Klein...? Na ja, sei’s drum. Und mit wem?“
„Äh...“
„Wenn du jetzt sagst, es sei deine Mutter, lache ich.“
„Nein, nein... nun ja...“ Er machte eine lange Pause. Dann: „Au weia, guck dir das mal an!“
„Was? He!“, schrie Kaya, als Takashi zwischen die Leute sprang.
„Takashi!“
Irgendwann holte sie ihn ein und packte ihn am Arm. „Sag mal, was ist das Problem?“ „Ich habe keine Lust, mich von dir wegen so was anmotzen zu lassen, das ist das Problem. Lass mich los.“
Kaya ließ ihn los. „So, und jetzt sag schon.“
Takashi verdrehte die Augen und atmete schwermütig aus. Dann sagte er zerknirscht: „Naoto.“
Kaya stand für einen Moment regungslos da, dann fragte sie etwas zu laut: „Was... wie... warum das denn?!“
„Er sollte... ach, es hat mir so gestunken, was du gesagt hast und eigentlich war es alles seine Schuld und immerhin hat er gestern versucht, dich zu... zu... aaach, verdammt, mir fehlt das Wort!“, schimpfte Takashi, als er daran denken musste, wie Naoto ihn an dieser Stelle hatte versucht zu ergänzen.
„Takashi...“ Sie versuchte, ruhig zu klingen, aber ihre Stimme zitterte vor Wut. „Das geht dich nichts an, zum Teufel! Und es gibt dir schon gar nicht das Recht, auf ihn loszugehen!“
„Siehst du, jetzt bist du sauer“, seufzte Takashi. „Aber er hat es so verdient“, sagte er dann trotzig.
„Oooooooh!“, rief Kaya wütend. „Warum bist du so... so versteift?! Warum musst du dich immer irgendwo festbeißen und es durchziehen, ohne jemals wieder darüber nachzudenken?!“
Takashi öffnete den Mund.
„Ach lass, ich will es gar nicht hören!“, fauchte Kaya und stolzierte davon.
Takashi knurrte. Blöde Kuh.

Als Kaya bei Aois Haus ankam, hing „das Schild“ draußen. Das Schild, von dem jeder wusste, was es bedeutete, obwohl so gut wie keiner es wirklich genau wusste. Auch Kaya konnte die Zeichen auf dem Schild nicht lesen; aber wie alle anderen wusste auch sie, dass Aoi gerade nicht im Haus war, wenn das neben der Tür hing.
Sie ging trotzdem hinein.
In dem abgedunkelten Haus roch es wie immer nach den vielen Kräutersorten, die an den Wänden und von der Decke herab hingen. Kaya musste sich erst ein wenig an das Dämmerlicht gewöhnen. Aoi machte nie Licht. Heute standen wenigstens zwei winzige Eisenschalen auf dem Tisch, in denen kleine warme Flämmchen züngelten.
Dann sah sie Naoto. Er saß reglos da, die Beine auf eine seltsame Weise verschränkt, die Hände auf die Knie gelegt. Seine Mittelfinger waren beide leicht in die mittlere Senke des Daumens der jeweiligen Hand gedrückt.
Seine Augen waren geschlossen, sein Rücken vollkommen gerade, sein Gesicht entspannt. Er atmete ruhig und regelmäßig.
„Na...oto?“, fragte Kaya leise und unsicher. Sie war eigentlich ziemlich wütend hergekommen. Dieser Zustand kehrte auch nach der ersten Verwunderung sofort wieder zurück. Sie eilte zu Naoto hinüber.
„Naoto! He!“ Sie winkte wild vor seinem Gesicht herum. Er zeigte keinerlei Reaktion. „Mach die Augen auf, ich muss mit dir reden!“
Als er wieder nicht reagierte, zögerte sie kurz, dann legte sie beide Hände auf seine Schultern und rüttelte leicht an ihm.
Als sie aufhörte, kehrte er unverändert in seine alte Position zurück.
„Was zum...?“ Kaya verzog das Gesicht, dann seufzte sie. Dann musste sie eben warten, bis er wieder ins Leben zurückkehrte. Aber sie fragte sich wirklich, was er da für eine Schau abzog.
Sie legte sich auf den rücken und starrte zu der niedrigen Decke hinauf.
Es verging ziemlich viel Zeit. Kaya vertrieb sie sich, indem sie nach Mustern im Holz suchte und dem geringen Licht der kleinen Feuer bei ihrem blässlichen Schattenspiel zusah.
„Hehe, wie lange liegst du da schon?“
Kaya schreckte zusammen. Sie drehte ihren Kopf. Naoto saß noch immer in seiner seltsamen Haltung da, aber er hatte den Kopf leicht zu ihr gewandt und ein Auge geöffnet. Dazu grinste er schief.
„Nun, schon ziemlich lange. Was machst du da?“
„Moment.“ Langsam – viel zu langsam, Kayas Meinung nach – kam wieder Leben in ihn. Er schien ziemlich viel Konzentration hinein zu schicken und doch wieder gar keine (wie es ja auch eher der Normalfall gewesen wäre).
Als er fertig war, drehte er sich zu ihr und setzte sich im Schneidersitz hin. „Entschuldige, was hattest du gefragt?“, fragte er und lächelte freundlich.
„Ich habe gefragt, was du da gemacht hast.“
„Ich habe meditiert.“
„Medi-was?“
Er schmunzelte. „Ich blende alle Gedanken aus und werde in mir einig. Ich lasse einfach für ein paar Momente los und finde innere Ruhe. Mit anderen Worten entspanne ich mich.“ Er machte eine kurze Pause, dann fügte er an: „Im Grunde heißt es, dass damit noch etwas erreicht wird, aber ich sehe den Nutzen des Miditierens nicht darin.“
„Was ist dieser „andere Nutzen“?“, fragte Kaya.
„Die meisten – oder wohl eigentlich alle – versuchen, über den Weg zu ihrem Inneren eine Verbindung zum Allmächtigen herzustellen. Aber ich konnte nie wirklich in einen solchen vertrauen und an ihn glauben... auch, wenn ich für diese Äußerung früher Schläge kassiert habe.“ Er lachte.
„Wo hast du das denn gelernt? Etwa auch in China?“
Er lächelte. „Nein, nein. Zwar war ich ihm nicht im Geringsten wichtig, aber trotzdem führte mein Vater mich quasi bis ins kleinste Detail in die Meditation ein. Das ist wahrscheinlich das einzige, wofür ich ihm eventuell zu danken habe. Für einen Zen-Mönch gehört die Meditation zum Alltag. Es war also nicht mal groß verwunderlich, dass er das getan und so darauf bestanden hat, wenn ich so darüber nachdenke. Und es ist wirklich hilfreich. Es mag sein, dass ich die Sorgen nur wegschiebe, aber auch auf diese Weise werde ich sie zumindest zeitweise los. Und das musste heute sein. Wobei „Sorgen“ in diesem Fall wohl der falsche Ausdruck ist. Vielmehr war es einfach Ärger und ein Überfluss an lästigen Gedanken. Das wollte ich einfach für eine Weile ausblenden. Und mit diesen Kräutergerüchen ist Aois Haus gar nicht mal schlecht geeiget zum Meditieren. Auch wenn ich auf so einige Gerüche verzichten könnte.“ Er lachte wieder.
Kaya grinste halbherzig.
„Möchtest du es auch mal probieren?“
„Was? Nein, nein... Ich habe dazu gerade zu Vieles, worüber ich nachdenke... Aber warum ich eigentlich hier bin...“ Sie sah ihn fest an. „Ist das da.“
„Was?“, fragte Naoto perplex. Sie zeigte irgendwo auf sein Gesicht und er verstand partout nicht, was das heißen sollte.
„Ich meine deine Prügelei mit Takashi. Verstehst du mich jetzt besser?“
„Wa... A-Ach so!“ Er lachte verlegen auf. „Ähm... ja...“
Kaya starrte ihn unerbittlich an. „Ich weiß, dass es nicht von dir ausgegangen ist. Aber warum musstest du darauf eingehen?!“
„Ah... nun... ich weiß auch nicht... aber vielleicht wäre die Möglichkeit zu bedenken, dass er mich wütend gemacht hat, denkst du nicht?“
„Aha. Also hast du ihn provoziert?“
„Was?!“
Kaya stockte verwundert. Seit wann war er denn so schnell erregbar? „Äh... nun, wenn du dich aufgeregt hast, wirst du wohl zumindest auf das „Angebot“ eingegangen sein, oder? Oder hat er sich einfach auf dich gestürzt? Wohl kaum. Das ist nicht Takashis Art.“ „Ach, ist das so, ja?“ Naoto lachte trocken.
Kaya verzog leicht irritiert bis missbilligend die Augenbrauen, dann sagte sie: „Nun, wie auch immer. Ich wollte eigentlich... ich wollte dir sagen... ähm...“
„Ja?“
„Ah...“ Was hatte sie eigentlich sagen wollen? Sie senkte den kopf. „Tut mir Leid. Ich hab mich nur so darüber aufgeregt, dass ihr euch deswegen prügelt, ich meine... das geht Takashi nichts an und es ist wohl am Besten, wenn wir das alle vergessen... oder?“ Sie sah ihn wieder an.
„Was siehst du mich so an?“, fragte er erstaunt. „Genau das habe ich ja mit der Meditation versucht.“
„Gut... dann... dann ist das alles nicht passiert... ja?“
Ihre Betonung auf dem Wort „alles“ ließ Naoto stutzig werden. Aber er verzog keine Miene.
„Ja. Ist wohl das Beste... Aber du scheinst mir nicht so wirklich zufrieden damit zu sein, oder?“
„Was? So... so ein Blödsinn, wie kommst du darauf?!“, empörte sie sich. Ihr Gesicht war hochrot.
Naoto lehnte sich gegen die Wand. „Gut. Es kam mir nur so vor, als hättest du Zweifel.“ Kaya wurde irgendwie wütend. Merkte er denn gar nichts? Andererseits, nun hatte sie auch noch so vehement verneint, dass sie nicht zufrieden mit dem Vergessen war. „Na ja... es gibt da eine Sache... also, ich hätte doch gerne nochmal mit dir darüber gesprochen...“
„Über was denn?“
„Über... na ja... das, was passierte, als ich noch mal wieder kam...“
Naoto blieb kurz still, dann sah er sie leicht verwundert an. „Ich weiß nicht ganz, wovon du sprichst, muss ich zugeben.“
Kaya sah ihn mit großen Augen an. Was war denn hier los...?
Da wurde der Vorhang zur Seite gerissen. In der Tür stand Takashi. Er war ganz außer Atem. „Ah, wusste ich doch, dass ich dich hier finde!“, rief er und grinste; vielleicht darüber, dass er Recht gehabt hatte, vielleicht aber auch darüber, dass Kaya und Naoto so weit auseinander saßen. „Du musst unbedingt rauskommen Kaya, das musst du dir ansehen!“
„Was? Was muss ich mir ansehen?“ Sie schaffte es noch gerade rechtzeitig, einen genervten unterton zu verhindern. Er kam auch immer im falschen Moment... sie hatte das klären wollen...
„Der Sonnenuntergang – das ist unglaublich! Die Farben und das alles, unfassbar, sowas hab ich noch nie gesehen!“
Kaya und Naoto standen auf und kamen mit auf die Straße.
„Auf dem Dach können wir besser sehen!“, rief Takashi eifrig und winkte Kaya hinter sich her. Sie kletterten an der nächsten geeigneten Hauswand auf ein Haus und setzten sich auf das Dach. Kaya war überwältigt.
„Hast du schon mal sowas Schönes gesehen?“, fragte Takashi verträumt.
Kaya schüttelte andächtig den Kopf. Die Farben wahren einfach unglaublich, wunderschöne Übergänge. Da war es knallig, dort mild, da strahlte einem die Sonne und der Himmel grell und vor Farbe strotzend entgegen, dort waren die Wolken in einem zarten Rosa-Lila gefärbt.
Der Fluss glitzerte orange, die Bäume schienen in dem warmen Licht zu wachsen.
Takashi schüttelte leicht den Kopf. „Mann...“, murmelte er.
„So einen Sonnenuntergang hatten wir shcon lang nicht mehr, was?“, hörten sie eine Stimme von unten. Sie beugten sich vorsichtig nach vorn und entdeckten Toki, die mit in die Hüfte gestemmten Armen zum Himmel starrte.
„Du hast sowas schon mal gesehen, Toki?“, fragte Takashi neidisch.
Toki drehte sich zu ihnen. „Ja“, lachte sie und hob Rei auf ihre Schultern, damit die Kleine besser sehen konnte. „Aber das ist lange her. Ich glaube, als ich hier gerade ankam, war mal so ein Sonnenuntergang. Ja... und die Tage darauf auch noch ein paar Mal. Aber seitdem nie mehr. Irgendwie seltsam. Na ja, freut mich, wenns mal wieder vorkommt.“ Sie lächelte und sah wieder nach vorn.
Kaya starrte weiter zum Himmel. Sie konnte einfach nicht wegsehen.
Und dann fiel ihr auf, dass es genau war wie früher. Naoto war ihnen nicht aufs Dach gefolgt. Sie saßen da, nur zu zweit, sie starrte in die untergehende Sonne, während sie aus den Augenwinkeln sah, wie Takashi sie vorsichtig dabei beobachtete. Und wie meistens musste sie beinahe lächeln. Und wie immer hob sie irgendwann wie in Trance einen Arm und streckte ihn zur Sonne aus. Wie immer lächelte Takashi breit und dachtre, sie würde es nicht sehen. Wie immer drehte Kaya ihre Hand hin und her, wie immer wollte sie diesen Moment festhalten. Zwar war noch nie ein so wunderschöner Sonnenuntergang da gewesen, doch hatte es ja jedesmal irgendwo etwas Malerisches – und heute war es einfach überwältigend.
Doch da geschah etwas seltsames. Als Kaya ihre Hand ausstreckte und die Finger so weit wie möglich spreizte, schien die Sonne golden aufzuglühen.
Erschrocken ließ Kaya den Arm sinken. „Was...?“, murmelte sie.
Takashi sah sie an. „Hast du was gesagt?“
„Wie? Nein... nein, nichts...“
Takashi nickte.
Kurz darauf sagte er: „Mh, es geht zuende, schade. Na ja, ich hab Hunger. Trifft sich ganz gut.“ Dann stand er auf und sprang hinunter auf die Straße.
Kaya blieb, wo sie war.
„Kaya? Kommst du auch?“
„Äh... ja, ja, komme.“

=&=

Am nächsten Morgen war Takashi schon recht früh auf den Beinen – trotzdem war Kaya außer Haus, als er San nach ihr fragte.
Kurz darauf begegnete er Naoto.
„Hallo, Takashi. Sag mal, hast du zufällig Kaya gesehen?“
„Wieso?“
Naoto legte leicht genervt den Kopf schief.
Takashi seufzte. „Sie ist laufen.“
„Was?“
„Manchmal geht sie morgens in den Wald und läuft mit den Wolfsjungen um die Wette.“
„Oh.“ Naoto lachte. „Da wird sie keine allzu großen Chancen haben, oder?“
Takashi beäugte ihn skeptisch. „Oh, doch, sogar noch mehr als das. Du hast sie nur noch nie wirklich laufen sehen.“
„Ach so? Meinst du, das könnte man nachholen?“
„Sie ist gerade erst los. Wenn ihr euch beeilt, trefft ihr sie sicher noch bei der Wolfshöhle“, hörten sie eine Stimme.
Ashitaka lächelte ihnen schief entgegen.
„Ah. Gut, danke sehr“, sagte Takashi.
„Kein Problem.“
Takashi setzte sich in Bewegung.
„He, warte mal!“ Naoto eilte ihm hinterher.




Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung